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15.: 23.07.06 Ironman Germany Frankfurt 9:36:44h Der kleine Junge von Bruchenbrücken Es gibt gewisse Momente im Leben, da erinnert man sich ein Leben lang dran, z.Bsp. kann ich mich an eine Fahrt durch den Elbrighäuser Grund 1987 erinnern, mitten im Sommer, aber dank eines Hagelschauers habe ich gelitten wie Hund, oder eine Fahrt im Regen 2 Jahre später auf meiner damailgen Standardstrecke von Alsfeld über Amöneburg nach Wetter, da habe ich sogar angehalten um meine Socken auszuwringen und die Schmerzen irgendwie zu lindern. Oder...naja, nicht so wichtig, bei den älteren Ironmännern muß ich jedenfalls länger überlegen, bis die Erinnerung zurückkommt. Aber noch heute denke ich nahezu bei jeder Fahrt durch Bruchenbrücken, und da fahre ich eigentlich immer durch, an den kleinen Jungen von Bruchenbrücken. Nie war ich relaxter am Start eines Ironman, okay, ich platzierte mich extrem weit links, um den Start möglichst prügelfrei zu überstehen. Den Neo hatte man bei über 24 Grad Wassertemperatur verboten, in der Regulierungswut, der Verbürokratisierung und dem alljährlichen Aufblähen des Regelwerkes hatte der Verband einfach mal diese Regel installiert. Oft wird in diesem Zusammenhang mit einem Gesundheitsschutz für die Sportler argumentiert, man könnte überhitzen. Das ist natürlich völliger Schwachsinn, insbesondere peinlich die Argumentation, wenn man bei über 30 Grad völlig dehydrierte unt teilwiese einfach nicht genügend trainierte Leute auf die Marathonstrecke losläßt. Gut, es gibt die Argumentation, dass den Schwimmern deutlich von ihrem Vorteil genommen wird, wenn der Neo erlaubt ist. Dem kann ich sogar zustimmen, nicht zustimmen kann man allerdings dann, dass gleichzeitig klammheimlich der sofortige Ausschluß bei Windschattenfahren aus dem Regelwerk entfernt wurde. Dem könnte man auch noch etwas Positives abgewinnen, wenn man dafür insgesamt öfter Strafen verteilen würde. Das es anders gekommen ist, ist bekannt. Aber egal, nach den Erfahrungen von 2005 hatte ich ohnehin die richtige Strategie im Training angewandt und irgendwann im Frühjahr das Schwimmtraining deutlich forciert. Bei max. Einsatz und sehr hohen Umfängen sollte ich eine Chance haben die erste größere Schwimmgruppe zu halten und damit die TV-Gruppe zu erreichen, dumm nur, dass ich durch den vorverlegten Start der Profis bereits schon am Start mit Rückstand losschwamm. Irgendwie waren die Fortschritte im Schwimmen aber dann nicht groß genug, ich weiß es nicht mehr, jedenfalls kam irgendwann Resignation auf, da war kein Biß, keine Motivation und ganz sicher hatte ich mich in dieser Zeit auch einfach zu intensiv mit Doping und anderen Betrügereien im Triathlon befaßt anstatt mich auf mein Training zu konzentrieren. . So kam es dann zu der schon angesprochenen lockeren Einstellung am Wettkampftag, war ich mir doch sehr sicher, überhaupt nichts drauf zu haben. Eine halbe Stunde vor dem Start stellte ich dann fest, dass sich meine hintere Bremse nicht mehr selbständig löste. Ein Mitarbeiter vom Bike-Service stand mir dann noch zur Seite mit einem Spray, jedoch erkannte auch er nicht, dass das Problem, wie immer in solchen Fällen, natürlich nicht an der Bremse, sondern an zu hoher Reibung irgendwo im Bremszug zu suchen ist. Aber um das zu erkennen, wr ich dann wohl doch zu nervös. Im Rennen selbst war es also nur möglich, die Bremse am Exzenterhebel vor Kurven zu- und nach den Kurven wieder aufzumachen. Darf das passieren? Natürlich nicht, aber die dadurch bedingte sehr vorsichtige Fahrweise verhinderte auch einen Sturz. Einmal war es sehr knapp, als sich bei der Einfahrt zum Kopfsteinpflaster in Hochstadt mein Vordermann sich so richtig darniederlegte. Lt. Kurt Denk soll es keinen einzigen Sturz auf dem Kopfsteinpflaster gegeben haben, andere Quellen sprachen von 60 Stürzen. Ist mir auch egal, Hochstadt muß ohnehin drin bleiben, außerdem sind es doch genau diese Stürze, die so einem Rennen noch zusätzlich Pfeffer geben. Blut, Schweiß und Tränen, das will das Volk sehen, Brot und Spiele, und schwer gezeichnete Athleten, die trotzdem noch ins Ziel kommen. Ein großer Schwerpunkt war für mich dann noch das Einsammeln von Gels, man glaubt gar nicht, wieviele Gels in so einen Einteiler von DeSoto passen. Nachdem ich die Taschen nach dem Radeln geleert hatte, sammelte ich beim Laufen nochmal eifrig, ich glaube es waren 16 Stück beim Laufen allein, weiß nicht mehr, nur falls sich jemand wundert, warum ich bei diesem Wettkampf so extrem dicke Beine hatte....ab und an hab ich wohl selbst auch eins gegessen, denke ich.
Beim Schwimmen hatte ich mir etwa 10 Tage zuvor auch noch einen Überlastungsschaden zugezogen, seltsamerweise konnte ich am Edersee eine Woche zuvor noch gut schwimmen, in Ffm ging dann nichts mehr und auf dem Rad hatte ich fast die ganze Fahrt über Schmerzen. Beim Lauf waren die dann aber wider Erwarten völlig verschwunden und ich lief die ungefähr erwartete Zeit. Ach so, der kleine Junge: ich sah ihn auf der 2. Runde am Ortseingang von Bruchenbrücken, er war umgeben von ein paar Erwachsenen, die mächtig Radau machten und anfeuerten. Aber ich hörte den Jungen dennoch: "Eine Flasche, bitte eine Flasche" Ich hatte wohl nur noch eine Flasche am Rad, entweder war ich zu spät dran mit Umfüllen ins Trinksystem oder es war ohnehin der letzte Rest an Vorrat, den ich dabei hatte. Ein paar hundert Meter später im Ort hatten dann ein paar Jungs eine mehr oder weniger professionelle Sammelstelle errichtet und auch dementsprechend Flaschen einkassiert. Mein altes Thema der Gerechtigkeit, dachte ich....Verdammt, ich wäre am liebsten zurückgefahren, um dem Jungen die Flasche zu geben....Die Nummer mit der Bremse? geschenkt...die Schmerzen durch die Schwimmerschulter? geschenkt....dass ich insgesamt eine bescheidene Verfassung hatte? auch geschenkt, was mich in den Tagen danach am meisten deprimiert hatte, war, dass ich dem Jungen die Flasche nicht zugeworfen hatte.... Verklärung, Blödsinn, Träumerei, reif fürs Irrenhaus? Ja, vielleicht, aber noch heute habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich durch Bruchenbrücken fahre
....die angesprochene TV-Gruppe lief dann natürlich tatsächlich, diesmal fuhr neben jedem Profiathleten dann noch ein Motorrad mit GPS-Signal. Die sollten wohl für die TV-Übertragung verwertet werden, davon habe ich allerdings gar nichts bemerkt. Interessant dann noch, dass Volker Hirth ausgerechnet bei dieser Szene darauf hinwies, dass man zwar in der Gruppe fahren, den Abstand aber selbstverständlich einhalten würde. Er hat eine angenehme Stimme, wie ich finde, aber von der Materie natürlich keinerlei Ahnung.... |
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